Wenn wir in Deutschland über den „Tag der Befreiung“ reden, dann ist der 8. Mai 1945 gemeint. Aber war der Zweite Weltkrieg auf der ganzen Welt an diesem Datum vorbei? Mitnichten.

In Afrika kapitulierten die deutsche Wehrmacht und die Truppen des faschistischen Italiens zum Beispiel schon 1943. Nachdem Italien in den Krieg als Verbündeter Deutschlands eingetreten ist, wollte es sich ein größeres Kolonialgebiet in Nordostafrika erkämpfen, was aber Britisches Kolonialgebiet war. Dies führte zu einem Kampf der europäischen Länder in ihren Kolonien. Dabei mussten Menschen, die dort lebten, einander bekämpfen, weil die Kolonialmächte geostrategische Interessen durchsetzen wollten.

Mit der Kapitulation Deutschlands und Italiens endete 1943 der sogenannte Afrikafeldzug.

Doch für die Einwohner*innen in den kolonialisieren afrikanischen Ländern endete der zweite Weltkrieg damit noch nicht. Sie wurden von den französischen, britischen oder belgischen Kolonialmächten nach Europa oder Asien an die Front zum Kämpfen geschickt. Ein Augenzeuge aus dem Senegal berichtete gegenüber der Deutschen Welle, wie eines Tages die Franzosen in sein Dorf kamen und Menschen rekrutierten. Wären sie zu Hause geblieben und hätten sich nicht rekrutieren lassen, wären sie vor Gericht gebracht und wahrscheinlich erschossen worden. Den senegalesischen Soldaten wurde auch nicht erklärt, gegen wen sie eigentlich kämpfen. Ihnen wurde nur gesagt, dass die Deutschen denken, afrikanische Menschen wären Affen. Es wurde ihnen als Chance dargelegt, dass sie in dem Krieg zeigen könnten, dass sie Menschen seien. In Asien hingegen dauerte der Zweite Weltkrieg noch drei Monate an. Dort kämpften die USA, unterstützt von Großbritannien, der Sowjetunion und China gegen Japan, den Verbündeten Deutschlands, um die Vorherrschaft im Asien-Pazifik-Raum. Am 15. August 1945 verkündete der japanische Kaiser Hirohito die Kapitulation. Das war wenige Tage nach dem Abwurf zweier Atombomben in dessen Folge 210.000 Menschen starben. Der Friedensvertrag zwischen Japan und den Alliierten wurde sogar erst am 28. April 1952 in San Francisco unterschrieben.

Dass nicht überall auf der Welt der Tag der Befreiung am 8. Mai gefeiert wird, zeigt ganz gut, wie eurozentristisch unsere Denkweise ist. Dass heißt, die europäische Perspektive wird auch in der Geschichtsschreibung als allgemeingültig angenommen.

Lasst uns doch ab und an zusammen über den europäischen Tellerrand gucken.